Am fünften Tag fing er an, E-Mails zu beantworten. Nicht weil etwas gebrannt hätte, sondern weil er es schlicht nicht ausgehalten hat, es nicht zu tun.
Er ist kein Ausnahmefall, er ist fast jeder, der zu mir kommt. Und sein Problem hat keinen Namen, den man googeln kann. Es heißt nicht Burnout, es heißt nicht Überarbeitung, es heißt nicht fehlende Work-Life-Balance. Es heißt: innere Unfreiheit. Und die reist mit, egal wohin.
Innere Freiheit finden: Was du wahrscheinlich bereits versucht hast
Weniger Termine, mehr Urlaub, Grenzen setzen, Handy weglegen, Achtsamkeit üben. Ich sage das ohne Ironie, denn das sind vernünftige Dinge, sie helfen auch, nur eben nicht bei dem, worum es eigentlich geht.
Innere Freiheit ist kein Kalender-Problem, und wer das noch nicht gemerkt hat, merkt es spätestens dann, wenn er zum dritten Mal im Urlaub sitzt und feststellt, dass das Gefühl mitgereist ist. In die freie Stunde am Sonntag, in den Moment in dem endlich alles ruhig ist und trotzdem keine Ruhe entsteht.
Die entscheidende Frage ist nicht: Wie schaffe ich mir mehr Raum? Die Frage ist: Was passiert in mir, wenn der Raum da ist und ich ihn trotzdem nicht nutzen kann?
Warum innere Freiheit sich dem Verstand entzieht
Hier wird es unbequem, besonders für Menschen, die gewohnt sind, Probleme durch gründliches Nachdenken zu lösen.
Der Verstand ist hervorragend darin, innere Freiheit zu beschreiben. Er erklärt, warum sie fehlt, er entwickelt Strategien wie sie entstehen könnte, er liest Bücher darüber und führt Gespräche, die tief gehen. Und dann sitzen diese Menschen bei mir und sagen den Satz, den ich sehr oft höre: “Ich verstehe es alles. Ich komme trotzdem nicht weiter.”
Das ist kein Zeichen von Schwäche, es ist eine präzise Beschreibung des Problems. Innere Freiheit ist kein Gedanke, den man denken kann, sie ist ein Zustand des Systems. Und das System wird nicht vom Verstand geführt, sondern vom Unterbewusstsein, das seit Jahren nach seinen eigenen Regeln arbeitet, lange bevor der Verstand anfing, darüber nachzudenken. Der Verstand versteht das Problem vollkommen. Er sitzt nur am falschen Tisch, um es zu lösen.
Das Bild, das ich nie vergesse
Stell dir vor, du fährst seit Jahren mit leicht angezogener Handbremse, nicht stark, nur ein kleines bisschen, gerade so viel, dass das Auto fährt und du ankommst und Ziele erreichst, aber immer mit diesem kaum merklichen Widerstand, dem Gefühl, dass mehr gehen müsste und irgendwie nicht geht, dass du Gas gibst und trotzdem nicht richtig beschleunigst.
Und weil du immer so gefahren bist, hältst du das für normal. Du denkst nicht mehr darüber nach. Du denkst: Das Auto ist halt so. Ich bin halt so.
Was mehr Urlaub und mehr Grenzen in diesem Bild bedeuten: Du tankst das Auto neu, du planst bessere Routen, du machst kürzere Strecken. Nur die Handbremse fährst du mit. Denn die sitzt nicht in den äußeren Umständen, sie sitzt in einer Entscheidung, die das System irgendwann getroffen hat und seitdem nicht revidiert.
Wie die Handbremse entsteht
Das Unterbewusstsein ist kein Gegner, es ist ein Schutzsystem, und zwar ein sehr zuverlässiges.
Irgendwann hat es eine Situation erlebt und daraus eine Regel abgeleitet, eine Regel wie: Zeig dich nicht zu sehr, kontrolliere was rauskommt, Fühlen kostet dich etwas. Diese Regel war in diesem Moment vollkommen richtig, sie hat geschützt, stabilisiert, ermöglicht weiterzumachen. Das Unterbewusstsein hat sie gespeichert und seitdem täglich angewendet, weil das sein Job ist.
Das Problem ist einzig, dass die Situation die diese Regel ausgelöst hat heute keine Relevanz mehr hat. Das Unterbewusstsein weiß das noch nicht, es schützt weiterhin vor einer Gefahr die vor zwanzig oder dreißig Jahren real war und heute schlicht nicht mehr existiert. Und weil diese Regel tief unter dem Radar des Verstandes läuft, hilft auch das gründlichste Nachdenken nicht weiter. Man beschriftet das Muster sehr präzise. Man löst es aber nicht.
Der Mann, der nicht feiern konnte
Er rief mich an einem Dienstagmorgen an, und ich merkte sofort, dass da jemand ist, der eigentlich nicht weiß, warum er anruft. Sein Unternehmen hatte gerade den größten Abschluss seiner Geschichte gemacht, acht Monate Verhandlung, sieben Millionen Euro, das Team hatte alles gegeben.
Und er saß in seinem Büro und spürte nichts.
“Ich dachte, ich wäre kaputt”, sagte er, “aber ich war nicht mal kaputt. Ich war einfach leer. Alle um mich herum haben gefeiert und ich habe so getan als ob.” Er hatte sich das erklärt mit zu viel Stress und falschem Timing, aber dann räumte er ein, dass es das schon länger gab, dass Erfolge ankamen wie Pakete, die er öffnete, kurz reinsah und weglegte, ohne dass sie je wirklich landen durften.
In der Hypnose-Session tauchte eine Szene auf, an die er seit Jahrzehnten nicht mehr gedacht hatte. Er als Kind, in dem Moment in dem er zum ersten Mal wirklich stolz auf sich gewesen war und diese Freude gezeigt hatte, und in dem jemand Wichtiges, ohne jede böse Absicht, einfach unachtsam, diesen Moment kleingeredet hatte.
Das Unterbewusstsein hatte an diesem Tag entschieden: Freude zeigen macht verletzbar, besser gar nicht erst zu viel fühlen. Diese Entscheidung war vierzig Jahre alt und sie lief noch, jeden Tag, bei jedem Erfolg, zuverlässig und still.
Was sich veränderte, als das System endlich die Information bekam, dass diese Gefahr heute keine Relevanz mehr hat: Er schrieb mir zwei Wochen später eine kurze Nachricht. “Mein Sohn hat letzte Woche ein Schulprojekt gewonnen. Ich habe geweint. Ich weiß nicht mal genau warum, aber es hat sich richtig angefühlt.”
Was innere Freiheit wirklich bedeutet
Ich sage es gerne konkret, weil der Begriff sonst zu vage bleibt und man anfängt, sich darunter etwas Spirituelles vorzustellen, das nichts mit dem eigenen Leben zu tun hat.
Innere Freiheit bedeutet nicht, keine Anspannung mehr zu kennen oder in einem Dauerzustand von Leichtigkeit zu leben. Sie bedeutet Reaktionsfähigkeit statt Reaktionszwang, also die Fähigkeit, in einer herausfordernden Situation nicht automatisch in eine bestimmte Reaktion zu fallen, sondern einen Moment der Wahl zu haben. Kurz manchmal, fast unmerklich, aber er ist da. Und in diesem Moment liegt alles.
Das lässt sich nicht erdenken und nicht trainieren, es entsteht wenn die Handbremse gelöst ist.
Wie du anfängst
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass bei dir etwas mitfährt das du nie bewusst eingebaut hast, dann gibt es einen ersten Schritt der vier Minuten dauert.
Das Boardroom-Meeting ist eine kostenlose Audio Experience. Sie zeigt dir, ob dein System überhaupt Zugang zum Unterbewusstsein zulässt, oder ob die Handbremse so tief sitzt, dass selbst das gebremst wird.
Kopfhörer auf. Vier Minuten. Du weißt danach Bescheid.
Wenn du bereits weißt, dass du tiefer gehen willst, findest du hier mehr über die Hypnose-Sessions und das RE:IDENTITY-Programm.
Liebe Grüße,
Christiane












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